Wohnanlage Prinz-Eugen-Park München

Projektdaten

Jahr

Status

Typologie

Größe


48.1643, 11.6302

Wohnanlage in München,
Masterplan Prinz-Eugen-Park, Baulos 1 (WA1 und WA2)

EU-weiter Architekturwettbewerb,
2. Stufe, 2014

Architektonisches Konzept

Die Formgebung der Baukörper resultiert aus einer Verschränkung von groß- und kleinmaßstäblichen Überlegungen. Das äußere Erscheinungsbild der aufgelösten Blockrandbebauung erfüllt dabei bezüglich Volumen und Gestalt zur Gänze die Anforderung zur Eingliederung in das neu entstehende Quartier.
Ein Beitrag zur Realisierung eines einheitlichen Gesamterscheinungsbildes des neuen Stadtteils auf dem Grundstück der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne ist explizites Ziel dieses Projekts.
Hofseitig innerhalb des Wohnblocks entsteht jedoch durch den formgebenden Prozess der Gruppierung von Einzelelementen  der individuelle und eigenständige Charakter der Bebauung. Die Gebäudegestalt ist dabei, und dies ist von grundlegender Bedeutung, nicht das Ergebnis einer formalen Überformung, sondern das Resultat einer freien Gruppierung der geforderten Wohnungs-Arrangements bzw. daraus entwickelter Grundrisstypologien.
Das Projektkonzept vereint zusammengefasst die städtebauliche Komposition von Baukörpern (Volumen, Hülle) in der Blockrandbebauung mit der Idee eines formgebenden Konzepts als Abbild sozialer Vielfalt und Durchmischung.

Funktionen und Arrangements

Die Verteilung der ergänzenden Funktionen entspricht zur Gänze den Vorgaben des Gestaltleitfadens:

Häuser für Kinder

Die Häuser für Kinder befinden sich im östlichen Bauteil des WA 1 bzw. im nördlichen Trakt des WA 2. Zur Realisierung des Raumprogramms verteilen sich die Räumlichkeiten auf das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss. Die räumliche Konstellation der Gruppen- und Gruppennebenräume folgt dabei der Idee von relativ eigenständigen Clustern. Je ein Kindergartengruppenraum und ein Krippengruppenraum bilden dabei zusammen mit einem Multifunktionsraum und den geforderten Nebenräumen  (Garderobe, WCs) eine räumliche Einheit. Die entstehende Grundrisstypologie ist geprägt von räumlicher Flexibilität. Der Mehrzweckraum im Erdgeschoss ist zum Gang- und optional zum Freiraumbereich zu öffnen und ermöglicht somit eine mögliche Erweiterung zu einem Bereich für Veranstaltungen und gemeinschaftliche Aktivitäten. Die Küche inklusive Nebenräume befindet sich jeweils im Erdgeschoss und funktioniert weitgehend eigenständig. Ein zweiter baulicher Fluchtweg für das erste Obergeschoss wird durch außenliegende Treppen von den Terrassen gewährleistet.

Betreute Wohngruppen

Die betreuten Wohngruppen  befinden sich im östlichen Bauteil, zusammengefasst im 2., 3. und 4. Obergeschoss des WA 2.
Die Entscheidung für diese Obergeschosslagen resultiert aus verschiedenen Überlegungen:
_zum einen lassen sich an dieser Stelle nach Süden orientierte Individualräume zum Innenhof realisieren,
_zum anderen entsteht durch die Lage über dem Kindergarten die Möglichkeit einer klaren Trennung der Erschließung (eigenständiger Aufzug, eigener Eingang).
Der weit in den Hof kragende Bauteil des Kindergartens bietet einen großzügigen, eigenständigen Freiraum in Form einer großen Terrasse. Die Stapelung der drei mehr oder weniger identen Grundrisse ist dabei nicht nur effizient, sondern schafft durch die vertikale Verzahnung  eine übersichtliche räumliche Einheit mit kurzen Wegen und einem direkten Nebeneinander und Miteinander der einzelnen Gruppen. Der Grundrissraster, und entsprechend die Gebäudeform, entsprechen genau dem der restlichen Bebauung.

Die Bereiche des betreuten Wohnen sind nach außen zum Hof nicht von den regulären Wohnungen zu unterscheiden. Die Jugendlichen der betreuten Einrichtung partizipieren somit in einem eigenständigen Bereich am Hof, ohne Nutzungskonflikte (z.B. mit dem Freibereich des Kindergartens) zu entwickeln. Innerhalb der Gruppen entstehen durch die unterschiedliche Platzierung der Individualräume und Bäder Bereiche für Gemeinschaft (Raum durch Strukturierung), welche jeweils von zwei Abschnitten mit je vier Zimmern zu einem großen Gemeinschaftsbereich inklusive gemeinschaftlicher Küche und gemeinsamen Ausgang zur Terrasse zusammengeschaltet werden können. Der zweite bauliche Fluchtweg erfolgt über die Terrasse und einer außenliegenden Treppe zum Erdgeschoss.

Raum für Gemeinschaft

Der Raum für Gemeinschaft der beiden Wohnbebauungen befindet sich an einer der beiden Hauptachsen des Erschließungssystems der Höfe. Im Sinne der Freiraumkonzeption befindet er sich am Übergang von der öffentlichen Straße zum halbprivaten Hof. Durch eine zu öffnende Fassade nach Norden ist eine mögliche Erweiterung in den Freibereich bei Veranstaltungen zur warmen Jahreszeit gewährleistet. Ansonsten dient diese Räumlichkeit (mit Sanitäreinrichtungen und Küche ausgestattet) z.B. für Bewohnertreffs bzw. zur frei organisierten Hausaufgabenbetreuung.

Kommunales Wohnbauförderungsprogramm / Teilprogramm B

Die Wohnungen des Teilprogramms B sind an einem Treppenhaus im südlichen Bauteil des WA 2 zusammengefasst. Die Grundrisstypen unterscheiden sich nicht von denen der übrigen Wohnbebauung; ausschließlich der Wohnungsschlüssel ist mit einer höheren Anzahl an kompakten Wohnungen den Anforderungen angepasst. Auf den unterschiedlichen Stockwerken befinden sich, äquivalent zum übrigen Erschließungskonzept, Bereiche für gemeinschaftliche Nutzung (Raum zum Wäsche waschen, etc.). Im Erdgeschoss wird, orientiert zum Innenhof, ein Gemeinschaftraum mit sanitärer Ausstattung und der Möglichkeit einer Kücheninstallation vorgesehen.

Wohntypologien, Gebäudeinfrastruktur und Konstruktion

Die Formgebung der Grundrisse gründet auf einer einfachen Grundüberlegung:
Der Möglichkeit einer maximalen Flexibilität auf Basis einer möglichst einfachen Primärstruktur. Die Annahme eines Konstruktionsrasters mit dem Maß von 3,90 m (Schottenbauweise) gründet in den Faktoren wie z.B. der erforderlichen Breite von Wohnräumen und Überlegungen zu wirtschaftlichen Spannweiten und einer logischen Tragstruktur z.B. auch im Sinne einer wirtschaftlichen Lastabtragung auf der Ebene der Parkgarage im Untergeschoss.

Dieses zuerst abstrakte und allgemeingültige Prinzip wird auf die Baukörper des Grundstücks im Sinne einer Realisierbarkeit von durchgesteckten Wohnungen (vom städtischen Raum in den Innenhof) umgesetzt. Die Verschaltung bzw. Zusammensetzung der einzelnen Raummodule ermöglicht dabei, bei dennoch hoher Wirtschaftlichkeit, eine Distanzierung vom Zwang des Regelgeschosses und das Angebot sehr vielfältiger Wohnungskonstellationen und –größen.

Während die Verankerung im Stadtbild des neuen Quartiers nach Außen durch eine vorgeschaltete perforierte Hülle mit einer Strukturierung durch leicht auskragende Loggien funktioniert, drückt sich die freie Belegung der Geschosse im Sinne des komplexen Wohnungsschlüssels in der Ausprägung von systematisierten Ausformung der Hoffassaden aus. Dieses Relief zum Innenhof bietet somit nicht nur ein Abbild der sozialen Struktur, sondern formt für die einzelnen Wohnungen durch Vor- und Rücksprünge individuelle geschützte Bereiche aus (Loggien).

Die Erschließung erfolgt über die regelmäßige Platzierung von Treppenhäusern, welche im Erdgeschoss stets von beiden Seiten betretbar sind. Die typologische Mischung von zwei bis fünf Wohnungen pro Geschoß und kurzer Mittelgangerschließung erzeugt dabei eine sehr effiziente Konstellation.

Als Reaktion auf die Cosimastraße sind sämtliche Wohnungen in den westlichen Baukörpern entweder durchgesteckt oder ausschließlich hoforientiert. Im Sinne der einfachen Primärstruktur ist die Lage der Sanitärräume in der Mitte der Gebäudetiefe durch die systematisierte Installationsführung klar definiert.

An den Erschließungskernen dockt zur Straßenseite eine Zone zur disponiblen Belegung mit Räumen für die gemeinschaftliche Nutzung an. Das unterschiedliche Bespielen von Flächen bei Treppenräumen (von Waschküchen, Gemeinschafts- bis zu Grünräumen) auf unterschiedlichen Geschossen, macht die einzelnen Häuser nicht nur nach Außen ablesebar und gliedert die Straßenfronten, sondern verleiht jedem Bereich auch einen eigenen Charakter.

 

Freiraum und Erschließung

Wohnen mit Gartenmosaik
Der städtebaulichen Struktur entsprechend werden die Wohnhöfe als introvertierte Gartenmosaike definiert. Die Freiräume der Kindertagesstätten werden im gestalterischen Zusammenhang mit den Wohnhöfen entwickelt.

Der Rand
Die Wohnhöfe werden durch an der Außenseite der Gebäude gelegene erhöhte Beete gefasst, welche den Übergang zwischen dem öffentlichen Raum und den siedlungsbezogenen Wohnhöfen klar definieren.

Der Wohnhof als „Gartenmosaik“
Gräser, Stauden und Aktivitätsflächen (EPDM) sowie kleinen Plätze schaffen eine urbane Gartenatmosphäre in den Wohnhöfen. Diese bieten den BewohnerInnen Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten: Der Nachbarschaftsgarten am Nachbarschaftsplatz bietet Felder zur Selbstversorgung an. Mosaikfelder aus Ziergräsern (Lampenputzergras - Pennisetum alopecuroides, Chinaschilf - Miscanthus sinensis, Hängesegge - Carex pendula, …) und Stauden (Studentenblumen - Tagetes lucida, Tagetes erecta, gewöhnlicher Sonnenhut - Rudbeckia fulgida, Traubensilberkerze - Cimicifuga racemosa, … ) strukturieren den Raum. Punktuelle mehrstämmige Baumpflanzungen von Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Kupfer-Felsenbirne (Amleanchier lamarckii) und Hainbuchen (Carpinus betulus) setzten Akzente im Raum. Eine mit der gewöhnlichen Waldrebe (Clematis vitalba) bewachsene Pergola neben den Selbsterntebeeten bildet das gemeinschaftliche Zentrum im Freiraum.

Die Verbindungen
Die beiden Wohnhöfe werden durch zwei klare durchlaufende Wege – alle inneren befestigten Wege aus hellen Betonpflasterplatten - verbunden, welche die beiden Baufelder zusammenbindet.

Die Dachgärten
Auf den Dächern setzt sich das Gartenmosaik in Form von erhöhten Beeten fort. Auch hier werden den jeweiligen Hausgemeinschaften einzelne Hochbeete zum gemeinsamen Gärtnern angeboten. Zusätzlich sind kleine Gemeinschaftsplätze auf dem Dach situiert, welche z.B. für gemeinsames Essen der erfolgreichen Ernte genutzt werden können.

Die Erschließung erfolgt über den Hof (Bauteile zur Cosimastraße) bzw straßenseitig. Alle Wohnungen und Einrichtungen sind barrierefrei erreichbar.
Die Feuerwehrzufahrt ist in jedem Hof gekennzeichnet und gewährleistet, dass alle Einheiten über den zweiten Rettungsweg verfügen.