Unser Neues Haus 2019

Projektdaten

Jahr

Status

Auszeichnung

3.3. Platz

Typologie


48.2031, 16.3939

Unser Neues Haus 2019
Umbau, Erweiterung und Sanierung der Zentrale des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

3. Preis, 2-stufiger Architekturwettbewerb

Konzept

Das Überdenken der städtebaulichen Matrize des bestehenden Areals, die Formulierung des neuen Zugangs, sowie die Schaffung einer unverwechselbaren Ausgestaltung des Baukörpers, unter Berücksichtigung der innovativen Ansätze des neuen Konzeptes, sowie  einer optimalen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Umsetzung bilden den Ausgangspunkt des konzeptuellen Ansatzes.

Die eigenständige, solitäre Anordnung des vierzehngeschossigen, kompakten und durch Schichtung gegliederten Baukörpers sowie die Überlagerung mit dem Grundstück und dem Freiraum ergeben ein komplexes urbanes identitätsstiftendes Gebilde.

Mit seiner kontextuellen Herangehensweise als Erweiterung der bestehenden Struktur, Neuformung und Schaffung des Vorplatzes sowie Berücksichtigung der umliegenden bestehenden Bebauung, bildet „Unser neues Haus“ eine wichtige städtebauliche Geste.

Die vorgeschlagene Baukörperadaptierung integriert sowohl Anforderungen an eine städtebaulich adäquate Maßnahme als auch Überlegungen zu organisatorischen bzw. funktionalen Aspekten zu einem architektonischen Gesamtkonzept. Die Stapelung der geforderten Kubatur schafft dabei einen Körper, welcher durch seine äußere Form am Eingang, gelegen an der Erdbergstraße, eine differenzierte Platzsituation erzeugt, während die daraus resultierende funktionale Überlagerung im Innenraum für die Sonderfunktionen räumliche Übergänge und schließlich funktionale Zusammenhänge generiert. Durch die prägnante Ausformulierung zur Erdbergstraße entsteht ein adäquater Eingangsbereich, welcher im Übergang zur Öffentlichkeit zudem eine große stadträumliche Qualität anbietet.

Das neue Haus der HVB soll durch sein Architekturkonzept ein den Anforderungen entsprechendes soziales, kulturelles und produktives Umfeld vermitteln.

Die Kernidee des Entwurfs lautet: Anstatt einen neuen und unabhängigen Baukörper neben der Bestandsstruktur des Büroturms zu errichten, verschränken sich „Alt“ und „Neu“ zu einem Ganzen. Die Aktivierung der für Büronutzung nicht benötigten unteren Obergeschosse der bestehenden Gebäudeumrisse ist dabei nicht nur unter bauwirtschaftlichen Aspekten interessant, sondern schafft im Verbund mit dem neuen Bauteil Dichte und somit Effizienz in Bezug auf die interne Kommunikation,  Arbeitsvorgänge-bzw. Zusammenhänge und sozialen Austausch.
Die geschickte Ausnutzung sämtlicher Bestandsflächen und die Entscheidung zugunsten eines Zubaus wirken sich zum Vorteil einer bemerkenswerten Flächen- und Volumenoptimierung aus.

 

Funktionale Aspekte

Die ehemalige, gleichförmige Gestalt des Büroturms stellt sich nach der Transformation der Grundstruktur bzw. nach der Zuordnung/ Hinzufügung der neuen Funktionen als vertikal gegliederter Baukörper dar:

1. Sockelgeschoss

Durch die Ausnutzung topographischer Begebenheiten (Ansteigender Platz von der Erdbergstraße; Eingang auf Höhe des 1.OG) wird das frühere Eingangsgeschoss (=Erdgeschoss) zum Sockel des neuen Gebäudes, welcher durch eine Erweiterung auf die Dimension der Tiefgarage nach Westen alle wesentlichen Nebenfunktionen in sich aufnimmt. Hier befinden sich, in logischer Konsequenz an die gewünschte infrastrukturelle Anbindung nach Außen, die An- und Ablieferung, die vorhandenen Zufahrten für die Tiefgaragen, die Vorfahrt mit dem Zugang zur Liftlobby (direkte und abgeschirmte Anbindung an das OG 14), die Räumlichkeiten für die Gebäudedienste (zur beruhigten Parkgasse), sämtliche Post-, Scan- und Kopierdienste (Nähe Anlieferung), sowie die benötigten Archivflächen (in den unbelichteten Bereichen).

2. Eingangsebene

Von der Erdbergstraße führt eine gestaltete Topographie zum Eingang (neue Platzsituation und somit Aufweitung der Erdbergstraße zu einem klar definierten Platz), welche im Übergang zum Gebäude teilweise gedeckt ist und den Höhenunterschied von ca. 1,70m zum neuen Eingangsgeschoss auf der Ebene des bestehenden 1.Obergeschosses durch eine ausformulierte Durchwegung löst. Dies ist sowohl der Zugang für die Mitarbeiter als auch für die Besucher und Teilnehmer an Ausbildungen bzw. Konferenzen. Betreten wird das neue Haus direkt an der Schnittstelle zwischen bestehender Struktur und Zubau, welche sich als begrüntes vertikales Foyer darstellt. Hier wird der Eingangsbereich mit den Foyer-Flächen der Akademiegeschosse (im 3. und 4. OG) mit der vertikalen Erschließung zu einer Halle zusammengefasst und stellt einen  Zwischenraum von „Alt“ und „Neu“ sowie ein Zentrum und die Drehscheibe für das neue Gebäude dar. Der Übergang von der Öffentlichkeit zum halböffentlichen bzw. firmeninternen Bereich wird durch den Empfangsbereich (inkl. Nebenflächen) und den sozialen Räumlichkeiten für die Mitarbeiter und darüber hinaus von dem (unter Umständen auch für Externe zugängliche) Betriebsrestaurant definiert. Gelegen unter dem auskragenden Baukörper wird die gedeckte Freifläche zusätzlich mit einer Terrasse des Restaurants bespielt. Die am Betriebsrestaurant angeschlossene Küche mit Ausrichtung zur Parkgasse wird über einen separaten Aufzug, welcher an der Erschließungsachse des Erdschosses liegt, beliefert.

3. Tagung/ Konferenz/ Sitzung/ Ausbildung

Die Räumlichkeiten für die Akademie mit Flächen für Seminare, Ausbildungen und Tagungen befinden sich auf zwei Ebenen zusammengefasst im 3. und 4. Obergeschoss. Sie finden, entsprechend der geforderten Kubatur, teilweise in der alten Struktur Platz. Ausschließlich die beiden großen Seminarräume und die Veranstaltungs- und Konferenzhalle befinden sich im neu hinzugefügten Baukörper, welcher sich Richtung Platz als zweigeschossige Auskragung darstellt.

Das bereits beschriebene vertikale Foyer durchdringt die Geschoße der Akademie und bindet sie somit direkt an den Eingangsbereich an (direkte Sichtverbindung und Erschließung durch separate Aufzüge bzw. Stiegenkerne). Die Veranstaltungshalle ist ein zweigeschossiger, multifunktionaler Raum, welcher sich je nach Erfordernis als frei bespielbare Fläche (Öffnung der Schiebewände und Erweiterung der Fläche zu den Foyers für z.B. Ausstellungen, Besuchertage und Infomessen), als mehrere separat zugängliche Räume im täglichen Akademiebetrieb (Raumteilung) oder als großer und unabhängig von den restlichen Akademieräumen nutzbarer Saal für große Veranstaltungen darstellt.

Der Bereich für ein separates Catering wird über den gesonderten Speiseaufzug der Küche beliefert (logistische Schlüssigkeit). Von einem zentral gelegenen Stützpunkt auf beiden Geschossen der Akademie können sämtliche Tagungs-, Konferenz- und Ausbildungsräume optimal beschickt werden.

4. Bürobetrieb

Allgemeines

Nach der Positionierung der bereits beschriebenen Sonderfunktionen bzw. einer Korrektur der Rohbaudecke im 5. Obergeschoss, verbleiben zehn Regelgeschosse der Bestandsstruktur für die Nutzung als Bürofläche. Diese funktionieren als vollkommen unabhängige Einzelgeschosse und werden somit dem Wunsch nach einer wechselbaren Belegung von entweder internen bzw. externen Nutzern gerecht.

Das Gesamtkonzept der neuen Bürogeschosse steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Schaffung einer neuen Gebäudehülle (s. Kapitel „Energieeffizienz“). Durch die minimale Aufweitung der Fassade in der Längsrichtung des Baukörpers ergibt sich die Möglichkeit zur Einbringung von wintergartenähnlichen „vertikalen Veranden“, welche durch eine intensive Bepflanzung an der Schnittstelle zwischen Außen- und Innenraum einen raumklimatischen, wie audiovisuellen als auch atmosphärischen Mehrwert zum Büroalltag leisten. Gleichzeitig wird durch eine gezielte Platzierung dieser grünen Elemente der Bürogeschossgrundriss durch eine Regelhaftigkeit systematisiert (Bürokonzept „Flexibel“) bzw. vorstrukturiert (Bürokonzept „Mobil“).

Bürokonzept „Flexibel“

Durch die Abstimmung des neuen Ausbaurasters mit der Tragstruktur des Bestands ergibt sich ein modulares System, welches ein beliebiges Abtrennen bzw. Zusammenschließen einzelner Büroeinheiten erlaubt (vielfältige Kombinationsmöglichkeiten von Einzel-, Gruppen- und Großraumbüros). Sonderfunktionen wie Besprechung, Café-Küche und Kopierraum sind nicht gruppiert, sondern im Sinne einer kleinteiligen Durchmischung verteilt. Die Situierung der Wartezone zielt durch ihre direkte Nähe zur Liftlobby auf eine freie Belegung bzw. Bespielung als Lounge- und Pausenzone durch die Mitarbeiter und somit auf die Ausprägung eines ansatzweise individuellen Charakters der Geschosse ab.

Bürokonzept  „Mobil“

Die „mobile“ Variante der Bürogeschosse basiert auf dem klaren Konzept von Offen und Geschlossen: Der vollkommen freie Großraumgrundriss wird zugunsten der Übersichtlichkeit bzw. zur Nischenbildung durch die Einbringung von abtrennbaren Räumen („Solo-Boxen“ und beruhigte Arbeitsbereiche) strukturiert. Die Flächen der Market-Area verbinden die so entstandenen Bürozonen im Sinne einer direkten Verbindung und Kommunikation. Die Aufweitungen der Market-Area-Bereiche zu Besprechungsnischen und die Anbindung der Bibliothek zeigen den informellen Charakter dieser Flächen. Die frei zu schließenden bzw. auflösbaren Bereiche für Workshops (Faltwände) unterstreichen das Konzept der stetigen Wandel- und Veränderbarkeit.